Coppa Italia, Gravedona, Comersee, 9./10. Juni 2018

Bollo, unser Fastschweizer von der Insel Reichenau, hat die Fahrt an den Comersee auf sich genommen, um exklusiv für uns vom Coppa Italia in Gravedona zu berichten. Danke Bollo! Ich denke, wenn nur die Hälfte davon wahr ist, dann müssen wir nächstes Jahr unbedingt auch mit einem Schweizer Grossaufgebot an den Comersee fahren. Ich werde jedenfalls mit den Italienern checken, was sie 2019 vorhaben.

Noch immer im Masters-Fever entschloss ich mich relativ kurzfristig, durch den Aufruf von Dominik, zur Copa Italia Regatta an den Comersee zu fahren.

Die Erwartungen waren nicht sehr hoch,
– ich rechnete mit leichtem Wind, da ich dachte das es für Thermik schon zu warm sei
– ich erinnerte mich noch an den Comersee mit seinen engen Dörfern und Häfen, ich war mir also nicht sicher, ob ich überhaupt in Hafennähe parken, geschweige denn Übernachten konnte im Bus. Ich malte mir also eine Regatta aus, bei dem einige Masters sich bei Sonne und 6-8 Knoten über den See schaukelten, danach ziemlich schnell im engen Club – Ciao sagten und man dann irgendwo im Nachbarort eine Pizza essen gehen würden.

Aber es kam ganz anders:

Zunächst mal das drumherum –

Der Club in Gravedona ist schlicht gesagt für uns Finnisti -perfekt – klein genug um sehr gastfreundlich und persönlich zu sein aber groß genug um alles an Infrastruktur bereitzustellen was man als Segler braucht. Der Club befindet sich auf einem Gelände etwa 3 Gehminuten außerhalb vom Kern des kleinen etwas verträumten Örtchens. Da auch die Tennishalle in der Nähe ist und das Gelände vor dem Club der örtliche Strandpark ist, bietet er massig Platz für Boote und Parkplätze ums Haus. Das Clubgelände hat selber eine Art Jugendherberge für Clubmitglieder in der die meisten Segler übernachtet haben. Die Versorgung ist durch eine kleine Bar, mit einem wunderbaren Patio, in dem sich alle eigentlich immer treffen und das Restaurant der Herberge sichergestellt (aber der Ortskern ist auch gleich um die Ecke). Sogar die Busse haben einen eigenen Stellplatz hinterm Haus.
Riesige Umkleiden mit super Ausstattung runden die Location ab. Die Slipanlage ist windgeschützt (am Nachmittag) uns sehr breit.

Als einziger „Teilnehmer-Exot“ aus Germania und von meiner hübschen Tochter begleitet, ließ die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Clubmitglieder sich kaum zügeln. Die manchmal abgebrüht wirkende Professionalität der Gardasee Clubs in Riva und Torbole, hat hier noch keinerlei Einzug gehalten. (Malcesine ist da natürlich die Ausnahme).

Morgens wurde man immer mit italienschem Snack-Frühstück empfangen, um seinen Zucker- und Koffeinspiegel innerhalb von 3 Sekunden aufs Maximum zu einzustellen – vor dem Auslaufen konnte man dann noch schnell was Herzhaftes von der Bar essen – perfekt.

Und das angekündigte Dinner – wirklich Klasse veltlinischen Spezialitäten in 6 Gängen – war ebenfalls prima und in einer tollen Stimmung.

Ach ja gesegelt wurde auch, die Thermik ist, wie ich erfuhr bis in den Hochsommer hinein verlässlich, nicht so stark wie vor Riva aber mit 12 – 20 Knoten sehr angenehm segelbar, man segelt zwar nicht direkt vor dem Club, sondern etwa 20 -30 Segelminuten entfernt in einer Thermik-Ecke des Sees aber dort war das Segeln wirklich perfekt. Beide Seiten des Feldes waren ungefähr gleichberechtigt also kein “wer als erster an der Wand ist hat gewonnen“ segeln. Der Wind am Samstag erstaunlich kräftig ich schätze ca 15-18 Knoten in Mittel. Am Sonntag da leichte Wolken aufzogen eher 12 Knoten.

Es wurde jeder Lauf mit Oskar-oben gesegelt, also von wegen „Masters die locker über die Bahn treiben“. Giorgio Poggi kam mit einer ganzen Ladung seiner Olympia Aspiranten aus Italien, Slovenien und der Türkei an, und die bekannten Kaftpakete vom Gardasee waren auch anwesend.

Unter den Mastern wars auch nicht einfach, der Worlds-Master-Champ Giacomo Giovanelli kam auf den 7. Rang von 23, wir „normalen“ lieferten uns harte Kämpfe dahinter. Marco Buglielli natürlich in Front. Die 3 Läufe am Samstag wurden bei einem typisch italienischen Aperitivo an einer großen Tafel nochmals nachvollzogen, sodass auch jeder wirklich wusste woher seine Muskeln so schmerzten. Großartig.

Am Sonntag folgten 2 Läufe um die 5 zu komplettieren (angenehmerweise kommt die Termik immer erst um 13:00 Uhr also genügend Zeit zum Frühstück und Palavern). Die Wettfahrtleitung reagierte sehr vernünftig auf die durch einige Wolken geänderten Bedingungen , ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und legte den Kurs solange neu, bis er gerecht gesegelt werden konnte. Beide wieder unter Oskar allerdings mit etwas weniger Wind.

Bei der Siegerehrung gabs nochmals ein Buffett und man hätte sicherlich noch ein paar Stunden beim Rosso hocken bleiben können aber wir mussten ja leider irgendwann heim.

Zurück sind wir über den Maloja nach St. Moritz/ Julier / Chur gefahren – lässt sich mit dem normalen Gespann ohne weiteres machen. An meine Landsleute aus Germania unter den Lesern : mit einer 10 Meter „Rentner rollt noch“ Gruft und Finn-Box dahinter, wäre ich mir aber nicht so sicher da besser durch den Gotthardt und Como an/-abreisen (oder via den San Bernardino, Anmerkung der Redaktion).

Zusammenfassend ist es glaube ich deutlich geworden: Es war grandios! Location, Leute, Event, Wind, Feld alles hervorragend.

Die Regatta ist wirklich absolut hochwertig von den Teilnehmern und bietet sicherlich auch Nachwuchstalenten und „Immer-Alles-Gewinnern“eine Herausforderung bei normalerweise besten Segelbedingungen (Sonne muss halt scheinen) Das Ambiente und der Club sind großartig.

Leider werde ich beim nächsten mal mein Exoten-Dasein mit einigen von Euch teilen müssen – schade eigentlich – also vergesst diesen Text besser wieder.

Euer Bollo
GER 19

Rangliste
Bericht auf der italienischen Finn Seite (auf Italienisch natürlich)
Flickr Fotostream
Video vom ersten Lauf
Video Zusammenfassung 

 

 

 

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