Masters WM Copenhagen, Schlussbericht

Bericht des drittplatzierten Schweizers Daniel Müller (SUI-88)

Die Dänen sind bekannt für die Erfindung der Lego, die Nr. 1 der weltbesten Restaurants, hochwertige Audiogeräte von Bang & Olufsen und zeitlose Architektur modernster Art. An der Finn Masters WM 2019 in Kopenhagen haben sie eindrücklich bewiesen, dass sie auch riesige Segelregatten hervorragend organisieren können. Die Schweizer waren wie in früheren Austragungen mit einem namhaften Team dabei, das sich wacker geschlagen hat. Allen voran Christoph Christen, der eine Hand am Podest hatte, als 5. Overall reüssierte und als Dritter bei den Masters gar das Podest erklimmen konnte. Grossartig!

Das Finn World Masters gehört bekanntlich zu den grössten und eindrücklichsten Segelregatten dieses Globus. In früheren Jahren waren schon mal 300 bis 400 Finns am Start, heuer in Kopenhagen deren 241 aus 28 Nationen. Darunter sorgten gemäss unbestätigten Angaben nicht weniger als 38 Olympioniken (Artfremde ausgeschlossen) dafür, dass das Niveau beachtliche Höhen erreicht. Mit 7 Siegen in 7 Regatten unantastbar und wie von einem anderen Stern, hat Vladimir Krutskikh aus Russland die Weltmeister-Krone geholt. Als Profi startet er oft auch im Weltcup, gehört dort aber immer noch zum Mittelfeld. Wir können daher nur erahnen, auf welchem Niveau die Weltbesten, unter ihnen auch Nils Theuninck, effektiv segeln. Vladimir mag gut auf dem Wasser sein, sein «no show» zur Preisverleihung ist ein absolutes «no go» aus Sicht Fairness und Respekt. Das Podest komplettiert haben übrigens Michael Maier (CZE) und Laurent Hay (FRA). Allesamt in der Finnklasse seit Jahrzehnten erfolgreich und bestens bekannt.

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Das helvetische Team zählte 16 Finnistis. Bekannte Namen wie Christoph Burger, Piet Eckert oder Peter Theurer, allesamt für einen Exploit fähig, zählten leider zu den Abwesenden. Unsere Hoffnung konzentrierte sich daher auf Christoph Christen. Dieser hatte eine Woche vorher mit einem Podestplatz an der internationalen dänischen Meisterschaft eindrücklich aufgezeigt, dass er das Potential dazu hat, die Weltspitze zu durchpflügen. Am vorletzten Tag lag er noch auf Podestplatz, musste dann aber in den beiden letzten Rennen Laurent Hay und den punktgleichen Australier Anthony Nossiter vorbeiziehen lassen. Als 5. insgesamt und 3. der Masters-Klasse lieferte SUI 5 aber erneut ein Top-Resultat ab. Die Medaille wurde ihm ehrenvoll von Jonas Høgh-Christensen, dem Silber-Medaillengewinner der olympischen Spiele in London, überreicht. Wir sind stolz auf ChCh und gratulieren herzlichst.

Hinter dem stillen Star herrscht dann aber einiges an Wüste bis zur grossen Herde. Unsere Nationentruppe glänzte daher mehr mit grosser Kamerad- und Freundschaft.
Franz/Fräne «the Guitarman» sorgte auf und neben dem Wasser für die Musik. Mit einem beherzten Ritt und stetem Kampf war er der klar Beste des helvetischen Mittelmasses. Im zweiten Lauf bei etwas moderateren Verhältnissen holte er um ein Haar den Bergpreis und lief schlussendlich als 11. ins Ziel – ein Glanzresultat. Mit konstant guten Rängen im vorderen Mittelfeld wurde er schlussendlich 91.

Thomas Gautschi hat zwar den perfekten Mast laminiert, aber das Potential dann doch nicht ganz ausgeschöpft. Für seine Starkwindpostur waren die Windverhältnisse doch etwas gar eingeschränkt. Dafür glänzte er mit der bestimmt längsten Wasserzeit, was nicht alle so toll fanden. Er hat sich vermutlich ganz lange überlegt, ob er den Bericht hier schreiben wollte und den ehrenvollen Schreiberling-Platz im letzten Rennen dann wieder abgegeben.

Der hinter Christoph potentiell hoffnungsvollste Finnisti helvetischen Ursprungs ist Oliver. Er startete mit jugendlichem Übereifer im ersten Rennen bei Black Flag etwas gar früh und wurde dafür hart bestraft. Beim Neustart des abgebrochenen Starts segelte er zum Training munter mit, was die Jury nicht so toll fand und ihm dafür ein DNE aufbrummte (Disqualification not excludable under rule 90.3(b)). Sonst hätte er sich mit seinem Potential wohl wie erwartet hinter Christoph eingeordnet.

Erst vor einem Jahr in Spanien hat Hans seinen neuen Fantastica stolz vorgestellt. Und regelmässig lässt er seine grosse Klasse aufblitzen und die Jungen alt aussehen. Nun denkt er aber bereits wieder daran, das Finnsegeln an den Nagel zu hängen. Hoffen wir darauf, dass es nur eine Laune von Hans war. Denn er würde uns bestimmt sehr fehlen.
Bei passenden Verhältnissen gehört auch der schlau segelnde Ueli zu den absolut Schnellsten. So manch ein Crack biss sich dabei die Zähne aus. Bei der Konstanz bleibt allerdings noch etwas Luft nach oben. Dennoch ist Ueli unser nächster potentieller Nachwuchs-Legend.

Ruedi hat schon sehr bald wieder mehr Zeit für’s Segeln. Als Neo-Profi findet er bestimmt zu alter Stärke zurück. Seinen schelmischen Humor hat er bisher nicht verloren, auch wenn ihm die Jungen teilweise (noch) um die Ohren flitzen.
Dominik kämpfte seglerisch zwar etwas glücklos, nahms mit Humor und blieb dennoch immer glücklich. Es gibt genügend Gründe, an diesem Anlass Befriedigung zu finden.

Peschi hat gekämpft wie ein Löwe, blieb aber etwas unter seinen persönlichen Erwartungen zurück. Dafür war er auf der über 100-jährigen Holz-Achterbahn des welt-ältesten Vergnügungsparks Bakken bestimmt bei den Schnellsten.

Attila zeigte als Greenhorn unter den Alten einen passablen Einstand. In der unbarmherzigen Mühle des Masters muss ein jeder Junior aber noch Lehrgeld bezahlen.

Thomas Bangerter’s Auftritt war nicht eben mit Glück gesegnet. Bereits im ersten Training blieb sein Mast-Top nach einer Kenterung im Schlick der Ostsee stecken. Mit dem ausgeliehenen Ersatzmast von Thomas Gautschi kam die Hoffnung zurück. Nachdem im Trailer-Camp mehrfach eingebrochen und gestohlen wurde und auch noch das E-Bike von Marcella trotz massiver Kette gestohlen wurde, waren Luft, Lust und Thomas weg.

Marcin bemerkte erst beim Aufladen, dass er offenbar mit einem U-Boot unterwegs war. Der Wassertank hätte bestimmt zur Atlantiküberquerung gereicht.
Jiri als Zweifler suchte gar eine Entschuldigung wegen eines fehlenden Deckels. Das edle

Boot mit Speziellack und nicht normierter Deckel lässt sich nicht einfach reparieren. Thomas the Swiss Baker durchkreuzt allerdings die Taktik und klebte das Loch derart fachmännisch zu, dass der Jiri wieder auf die Regattabahnen durfte.

Jens hat es vor einem Jahr als Foto-Star auf die Titelblätter geschafft. Heuer hatte es für ihn schlicht zu wenig Wind und der Kameramann war vermutlich gerade anderswo beschäftigt.

Carlo war bereits mit gesundheitlichen Problemen angereist und kam daher ungewohnt nicht auf Touren. Noch vor dem Schlusstag warf er den Bettel hin und machte sich in die Ferien nach Schweden auf.

Das Komitee gab sich redlich Mühe, musste der schieren Masse von Seglern aber etwas Tribut zollen. Am Montag liessen sie die Blaue Gruppe gut 4h warten, bevor sie unverrichteter Dinge wieder ans Land geschickt wurden. Der fehlende Lauf wurde dann am Dienstag wieder nachgeholt. Der Mittwoch bliebt trotz viele Versuche und 6 Stunden Wasserzeit ohne Regatta. Am Donnerstag wurde die Pace erhöht und die Abstandszeiten zwischen den Feldern reduziert. Dies führte sinngemäss zu einer Durchmischung der Felder. Dabei gab es auch ein paar Schlaumeier, die fälschlicherweise das naheliegende Luvfass rundeten und damit kurzzeitige Berühmtheit erlangten. Die Segler wurden daher am nächsten Morgen in den Hangar zitiert und auf Fairness eingeschworen. Einige der Fehlbaren haben sich selbstverständlich gemeldet, sodass die Welt wieder in Ordnung war. Das Regattakommitee musste aber schmerzhaft erkennen, dass mehr als fahrlässig ist, die Bojenkontrolle zu vernachlässigen

Trotz einiger Verbesserungspotentiale war das Finn World Master in Kopenhagen ein grossartiger Anlass – sowohl auf dem Wasser als auch am Ufer. Vor, während und auch nach dem Segeln. Mit einem wahnsinnigen Feld passionierter Segler, bei dem keiner zu alt ist, den Jungen den Meister zu zeigen. Insbesondere die Super Legends verdienen grossen Respekt. Zu Fuss können sie teilweise kaum mehr richtig gehen, aber den Finn segeln sie immer noch wie ein Gott. Das Masters ist einfach einmalig und nicht zu toppen – sportlich, kulturell und gesellschaftlich.

Nächstes Jahr vom 31.5. bis 5.6.2020 findet das 50. Jubiläums-Masters im wunderschönen Port Zelande in Holland statt. Die Oranies werden alles daransetzen, einen neuen Teilnehmerrekord aufzustellen. Sie rechnen mit über 400 Finnistis aus der ganzen Welt. Alle mit einem Finn sind herzlich eingeladen, sich der illustren Truppe anzuschliessen und sich im Reigen der Weltbesten zu beweisen. Dieses einmalige Erlebnis wird garantiert zu einem Höhepunkt im Seglerleben. Für gute Stimmung, die Pflege alter Freundschaften, kulinarische und kulturelle Höhepunkte ist genügend Freiraum. Heisse Surfs, wagemutige Manöver und vom Pumpen heisse Bizeps inklusive. Damit die Starkwinde und 400+ Gegner überstanden werden, gibt’s obendrauf bestimmt noch holländische Cookies. Auf nach Holland!

Rangliste Top 10
Rang Segel Nummer Mannschaft Pt.
1 RUS 73 Vladimir KRUTSKIKH – M 6.0
2 CZE 1 Michael MAIER – GM 15.0
3 FRA 75 Laurent HAY – GM 19.0
4 AUS 221 Anthony NOSSITER – M 25.0
5 SUI 5 Christoph CHRISTEN – M 25.0
6 POR 51 Filipe SILVA – M 34.0
7 ESP 757 David TEROL – M 35.0
8 GER 193 Thomas SCHMID – GGM 41.0
9 AUS 22 Paul McKENZIE – GM 43.0
10 GER 707 Uli BREUER – GM 43.0

Rangliste der Schweizer Finnistis
Rang Segel Nummer Mannschaft Verein Pt.
5 SUI 5 Christoph CHRISTEN – M YCB 25.0
91 SUI 12 Franz BÜRGI – GM TYC 262.0
100 SUI 88 Daniel MUELLER – GM YCB 285.0
118 SUI 63 Thomas GAUTSCHI – GM YCB 333.0
119 SUI 96 Oliver WIRZ – M YCBr 334.0
129 SUI 593 Hans FATZER – L YCA 356.0
144 SUI 51 Ueli APPENZELLER – GGM YCB 393.0
151 SUI 57 Rudolf BAUMANN – GGM TYC 413.0
166 SUI 27 Dominik HAITZ – GM YCZ 438.0
170 SUI 13 Peter KILCHENMANN – GGM TYC 458.0
176 SUI 80 Attila SZABO – M YCRo 480.0
200 SUI 65 Thomas BANGERTER – GGM CVG 551.0
202 SUI 54 Marcin GREGOROWICZ – M SIMPL 558.0
212 SUI 4 Jiri HURACEK – GGM TYC 593.0
223 SUI 36 Jens MOECKE – GM TYC 644.0
232 SUI 3 Carlo LAZZARI – GM TYC 700.0
M = Master (40-49), GM = Grand Master (50-59), GGM = Grand-Grand Master (60-69), L = Legend (70-79), SL = Super Legend (+80)

Nationencup (28 Nationen): 1. FRA, 2. SWE, 3. DEN … 12. SUI

Club-Trophy (159 Clubs): 1. WSV Het Witte Huis, 2. Kongelig Dansk Yachtklub, 3. S R Rochelaises … 9. Yachtclub Bielersee YCB… 17. Thunersee Yachtclub TYC

Schlussrangliste
1 RUS 73 Vladimir KRUTSKIKH – M 6
2 CZE 1 Michael MAIER – GM 15
3 FRA 75 Laurent HAY – GM 19
4 AUS 221 Anthony NOSSITER – M 25
5 SUI 5 Christoph CHRISTEN – M 25
6 POR 51 Filipe SILVA – M 34
7 ESP 757 David TEROL – M 35
8 GER 193 Thomas SCHMID – GGM 41
9 AUS 22 Paul McKENZIE – GM 43
10 GER 707 Uli BREUER – GM 43

Die vollständige Schlussrangliste nach 7 Läufen im Manage2Sail.

Tagesberichte von Robert Deaves (unter News)
Video Zusammenfassung (leider mit anderen Events dazwischen)
Fotos auf Flickr
Finn World Masters auf Facebook
Finn World Masters fleet sends open letter to World Sailing


Die ersten zehn

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Masters: 3. Christoph Christen (SUI), 1. Vladimir KRUTSKIKH (RUS, schon abgeflogen),
2. Anthony Nossiter (AUS)

podium GMGrandmaster Podest: 2. Laurent Hay (FRA), 1. Michael Maier (CZE),
3. Paul McKenzie (AUS)

Podium GGM
GrandGrandMaster:  2. John Greenwood (GBR), 1. Thomas Schmid (GER),
3. Michael Staal (DEN)

Podium Legends.jpg
Legends: 1. Henry Sprague (USA), 3. Yury Polovinkin (RUS), 2. Magus Olin (SWE)


Die drei ersten der Superlegends,
3. Ola M JOHANNESSEN (NOR), 2. Pedro JIMENEZ-MEIFREN (ESP), 1. Richard HART (GBR)

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Die beste und einzige Dame: Tina Sperl (AUT), Master Weltmeisterin 2019



Kategorien:Masters WM, Regatta Berichte

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