Nachtrag zur EM in Gdynia (POL) von Rolf Elsässer

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht Rolf!

Nachdem alle großen internationalen Regatten in diesem Jahr ausgefallen sind, war die Euro bzw. die Euro Masters die erste große Regatta in diesem Jahr. 42 Teilnehmer meldeten zur Euro, 31 zur FEM. Im international besetzten Feld hielten sich die Deutschen vornehm zurück. Zwei Teilnehmer bei der Euro, einer bei den FEM. Eigentlich unverständlich, da der Anspruch hoch und die Entfernung, zumindest von Norddeutschland, übersichtlich ist.

Gdynia ist eine Industrie- und Hafenstadt, nicht zu vergleichen mit Sopot, einem mehr touristischen Ort, wo die FWM 2013 stattfand. Die Regatta fand im Zusammenhang mit den „Gdynia Volvo Sailing Days“ statt. Vielleicht mit der Travemünder Woche zu vergleichen. Viele Klassen kämpfen normalerweise um Medaillen und wie bei der TW gibt es einen Rummel. Der Boatpark befindet sich auf der Marina in der Nähe des Stadtzentrums, Stellplätze für Wohnmobile, es waren ca. 3-4, gab es nur in begrenztem Umfang, auch auf der Marina. Die Stellplätze für Pkws lagen weiter entfernt. Es gab ein Zelt, das aber nur für die Opening und Closing Ceremony genutzt wurde, gerne auch als Unterstand bei Regen. Bedingt durch die geringe Anzahl der Boote war alles übersichtlich und entspannt. Die Stimmung war sehr gut und die „großen“ Jungs waren alle sehr freundlich und hilfsbereit.

Dienstag 1.9.20, Registrierung und Vermessung

Ziemlich lässige Vermessung, Segelnummern und IFA Label wurden geprüft, Segel gestempelt. Prüfung der Ausgleichsgewichte auf Übereinstimmung mit Messbrief und Markierung von Ruder und Baum, das war es schon. Die Vermessung der EM-Teilnehmer war etwas umfangreicher.

Am Dienstag fand auch ein Practice Race statt, leider habe ich das nicht mitbekommen, schade. Das traditionelle Notice Board ist Corona zum Opfer gefallen, es gab nur das „virtuelle Notice Board“ im Internet, aber nur auf der EM Seite…. Abends gabs eine kleine Eröffnungszeremonie mit einigen kurzen Reden (ohne Getränke) und auch die Steuermannsbesprechung, die von der Wettfahrtleiterin (mit Hund) gemanagt wurde. Ich glaube sie war 2014 auch in Sopot als Wettfahrtleiterin verantwortlich. Der Hund, dann mit Schwimmweste, war auch auf dem Startschiff dabei.

Mittwoch 2.9.20, Rennen 1 und 2

Unangenehmes Wetter, kalt und regnerisch mit ordentlich Druck in der Luft. Start um 11:30, es dauert bis alle 70 Boote geslippt sind, aber es sind nur ca. 25 Minuten bis zum Startschiff. 11:30 erster Start, mit allgemeinem Rückruf, dann, mit black flag, klappt es besser. Inzwischen hat der Wind zugelegt so auf ca. + 20 Kn, aber das Wetter wird immer übler. Nach anfänglich leichtem Regen wird dieser nun immer heftiger, die Sicht ist eingeschränkt und die Orientierung leidet. Ich habe nach sieben Monaten ohne Segelpraxis genug mit mir und meinem Boot zu tun, da kann ich mich nicht um solche „Nebensächlichkeiten“ kümmern. Die Wellen erreichen fast „Barbados Format“, darauf kann man sich ja nach den Strapazen der langen (ca. 30 Min.) Kreuz freuen. Die Jungs fahren, als ob nichts wäre und die Touristen versammeln sich im hinteren Feld. Hin und wieder lässt der Regen nach und die Sicht wird besser. Schließlich ist es geschafft, das Ergebnis lässt viel Luft nach oben.

Nach kurzer Pause wird das 2. Rennen gestartet, alles läuft glatt, der Regen ist auch vorbei und der Wind hat etwas abgeflaut. Zufällig starte ich neben Zsombor Berecz, der Schuss war noch nicht verhallt, da hatte er bereits 20 Meter gewonnen (Profis vs. Amateure). Etwas moderatere Bedingungen, aber in der ersten Hälfte gab es noch einige Böen, die es in sich hatten. Gegen Ende des Rennens flaute der Wind auf unter 10 Kn. ab. Auch dieses Mal, viel Luft nach oben – immerhin konnte ich einige auf dem Vorwind holen.

Nach Ankunft an Land gabs für alle eine überraschend gute Pasta. Das Wetter war nicht so, dass man sich lang im Boat Park aufhalten wollte, daher war der Platz schnell geräumt.

Donnerstag 3.9.20, Rennen 3 und 4

Wieder ein kühler, regnerischer Tag. Rennen 3 und 4 stehen auf dem Programm. Start wieder um 11:30. Nach einem Abbruch ging`s dann los. Die, die am Pinend gestartet waren (hauptsächlich Touristen), hatten das Glück auf ihrer Seite und sahen sich unversehens vor den großen Jungs segelnd. Leider war die Freude nur von kurzer Dauer, dann war die Hackordnung wiederhergestellt, zumindest was die Aufteilung Profis/Amateure betrifft. Der Wind war etwas moderater als gestern, ca. 10-12 Kn. Nach einer gefühlt ewigen Startkreuz gings dann pumpenderweise vor dem Wind zum Leefass. Die zweite Kreuz war auch mit Drehern gespickt und die üblichen Verdächtigen waren wieder vorne. Nachdem die Masters eingetrudelt waren, wurde dann das 2. Rennen des Tages gestartet. Der Wind hatte nochmals abgeflaut. Der Kurs wurde dem Wind angepasst und etwas verkürzt. Der nachlassende Wind drehte während des Rennens immer mehr nach Süd, so dass auf der letzten Kreuz die hinten liegenden mit geschrickten Schoten die Luvtonne erreichen konnten. Die auf der rechten Seite des Kurses segelten hatten das Nachsehen. Der letzte Vorwind war dann ein Anlieger. Rückfahrt zum Hafen mit immer weniger Wind, dafür Regen. Wer Glück hatte, oder einen Coach, ließ sich in den Hafen schleppen. Im Hafen gab es die obligate Pasta, im Sonnenschein.

Freitag, 4.9.20, Rennen 5 und 6

Das Wetter war etwas freundlicher, Pullover und lange Hose bleiben im Schrank. Der Wind hatte auf West gedreht, d.h. er kam vom Land, über die steile Uferböschung. Der erste Start um 11:30 wird wegen einer Winddrehung abgebrochen. Beim nächsten Versuch geht alles planvoll über die Bühne. Windstärke ca. 8 Kn. – also kein Oskar. Der Wind war stark drehend und löchrig, auch die Jungs taten sich schwer ihn richtig einzuschätzen. Was zunächst wie die richtige Seite aussah, entwickelte sich zur A… – Karte. Für mich war es das bisher schlechteste Ergebnis, obwohl es zwischenzeitlich ganz gut aussah.  Das 6. Rennen wurde nach einem Frühstart, im 2. Versuch unter black flag bei ca. 10 Kn Wind gestartet. Der Wind wieder böig und drehend. Inzwischen konnte ich mich darauf etwas besser einstellen. Dann kam zum Ende der 2. Kreuz ein größerer Dreher und der Wind flaute ab. Auf dem Vorwind zum Ziel schlief er dann vollends ein. Immerhin kam die Sonne raus und es wurde schön warm. Nur etwa 30 Schiffe kamen im Zeitlimit ins Ziel. Schlepp aller Teilnehmer in den Hafen, wo auch schon die überaus leckere Pasta auf die Recken wartete.

Samstag, 5.9.20, Rennen 7 und 8

Der Tag begann, was das Wetter betrifft ganz gut, blauer Himmel, Sonne, Temperatur ca. 18°, moderater Wind. Startverschiebung und Warten an Land. Grund der Verschiebung war ein internationaler Triathlon, das Schwimmen ging am Hafen vorbei, daher kein Auslaufen. Ca. 45 Min später gings dann raus. Inzwischen hatte es sich merklich abgekühlt und ich vermisste meinen Pullover. Nach ca. 30-minütiger Anfahrt zum Start gings auch gleich los. Wieder ablandiger Wind, aber etwas mehr aus Süden ca. 6 Kn. Vielleicht nicht ganz so tricky wie am Vortag. Wie üblich wurde der erste Start abgebrochen, beim zweiten klappte es dann. Meine zurechtgelegte Taktik funktionierte auch und ich kam so in Feldmitte an der Luvtonne an. Leider dann beim Vorwind auf der falsche Seite alles verloren. Bei der zweiten Kreuz liefs auch ganz gut, so dass ich meine Verluste wieder wett machen konnte. Beim 2. Vorwind aufgepasst und nichts mehr versemmelt. Nach 1:25 war das Ziel erreicht. Nach kurzer Pause gings nach einem allg. Rückruf mit black flag ins 2. Rennen des Tages. Leichter Wind, leicht drehend und in der Stärke zwischen 2 und 8 Kn. schwankend. Auch hier liefs ganz gut, die kurze, kabbelige Welle in Verbindung mit einem nachlassenden Wind machte einem das Leben auf dem Vorwind schwer. Nach zwei nervlich anstrengenden Runden gabs dann, bedingt durch eine Winddrehung, zur Abwechslung eine kleine Zielkreuz. Die Rückfahrt in den Hafen dauerte dann in Ermangelung eines Schlepps, 45 Minuten. Ich war ganz zufrieden mit meinem Tag. 

Sonntag, 6.9.20, Rennen 9 und 10

Schönes, relativ warmes Wetter. Wind weiterhin von Land, wechselnde Windstärke zwischen 8 und 15 Kn., drehend und löchrig. Durch die gestrigen Ergebnisse war ich gut motiviert und hoffnungsvoll mein Gesamtergebnis zu verbessern. Wie üblich wurde das erste Rennen nach einem Abbruch gestartet. Zunächst lief es ganz gut, bis ich mich auf die falsche Seite geschlagen habe. Nach einem kapitalen Dreher war ich in „the middle of nowhere“ gelandet und erreichte als einer der letzten die Luvtonne, sehr demotivierend. Auf dem Vorwind habe ich dann zu viel gewagt und dem Schwert die Sonne gezeigt. Rennen abhaken und neu motiviert ins letzte Rennen gehen. Dieses Mal lief es dann besser, viel konservativer gesegelt und mehr rechts gehalten. Der Vorwind lief auch ganz gut und ich konnte einige Plätze gut machen. Die zweite Runde war auch ganz gut, aber der Wind flaute immer mehr ab. Nach knapp 1,5 Std. war es dann überstanden. Ergebnis ok, ich hatte mir aber mehr versprochen. Im Anschluss dann noch eine Stunde in den Hafen segeln, Boot auswassern und verpacken.

Am Abend fand dann die Siegerehrung im Zelt statt. Geehrt wurden die Sieger der einzelnen Rennen, dann die U23 Segler, Master Segler aller Kategorien und schließlich dann der Europameister und die Platzierten. Es war eine schöne Veranstaltung, aber durch die Masken etwas skurril. Getränke gab’s keine, es sei denn man hatte sich selbst etwas mitgebracht.

Alles in allem eine anspruchsvolle Segelwoche, aufs Segeln reduziert und konzentriert, mit hohem Erfahrungsgewinn, guter Kameradschaft und ohne Schnick-Schnack.

Mehr Infos und Fotos gibt’s auf der Masters Website.

Ergebnisse unter:
https://events.pya.org.pl/2020-open-finn-european-championship,e23

Rolf Elsässer, GER 202



Kategorien:Regatta Berichte

1 Antwort

  1. Super dein Bericht — vielen Dank

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: