Segelwoche, Thunersee-Yachtclub, 16./17.7.2022

Dieses Jahr habe ich mir für die Segelwoche viel vorgenommen. Nach bereits zwei Zweiten an den ersten Lokalregatten musste nun ein anderer Platz her. Also zwei Wochen in den Norden und hart trainieren. Der Fräne Bürgi hatte allerdings eine ähnliche Idee und so war mir klar, der Sieg führt über ihn. Gegen einen anderen war allerdings kein Kraut – insbesondere kein Johanniskraut gewachsen. Wie schon Paracelsus wusste, wird dieses Kraut auch Veitskraut genannt – und die übertrainierten Leicht- bis Mittelgewichte mussten der Jugend und somit dem David Veit den Vortritt überlassen. Selbstverständlich nicht ganz kampflos – und über diese Kämpfe habe ich nun die Ehre und das Vergnügen, berichten zu dürfen.

Schon im Trainingslager gab Fräne bekannt, dass die Wetteraussichten für die Segelwoche miserabel, da viel zu gut seien. Eine lange Hitzeperiode, ohne Gewitter notabene, macht nun wirklich jedem Thermikansatz ein Ende. Zu unserem aller Glück bekam er nur teilweise recht. Am Samstag war zwar der xte schöne Tag, eine kalte Nacht und die Bise im Mittelland brachten die Thermik eben doch ins Laufen.

Ein erster Lauf wurde bei 10 bis 12 Knoten gestartet. 11 Finns, die Herren Wälchli griffen erst am Sonntag ins Geschehen ein, starteten hochmotiviert und trotzdem ohne Frühstart. David Veit übernahm die Führung, auf der zweiten Kreuz gab er sie wegen einem fehlenden Bolzen beim Grossschotbeleg ab – kennen wir doch von irgendwo… Michu Beyeler nutzte die Gunst der Stunde, konnte sich auf den Vorwinden in die entscheidenden Innenpositionen bringen und brachte den Sieg vor Fräne und Dominik Haitz ins trockene.

Beim zweiten Lauf frischte es – gemäss WFL Jan Schwitter und dem Messgerät auf dem Donnervogel – auf 17 Knoten auf. 17 Knoten sind nun für den Schreibenden definitiv zu viel – nicht aber, wenn er zwei Wochen Trainingslager im Hintern und den Hintern vom Bürgi nur knapp vor sich hat! Zwar lag Michu Beyeler gefühlt in Führung, vor der Boje hatte der Baumann das Gefühl, er wolle nicht hinter diesem Michu durchfahren und unterwendete ihn, der Bürgi wollte nicht hinter dem Baumann durchfahren, es kam, wie es im Lehrbuch steht und im wahren Leben nicht passiert: Der Wind schralte um 10 Grad hoch, Fräne quälte sich um die Boje, ich musste ob ihm Platz machen und der arme Michu musste fasst nach Thun segeln um uns genügend Platz zu geben. (Also genügend gab er uns natürlich nicht, der Junge kann sich einfach nicht vorstellen, wieviel Platz so alte Herren an einer Boje benötigen – vorallem Fräne…..

Jedenfalls hängten wir zuerst mal den Michu ab und anschliessend hängte ich noch den Bürgi ab. Und natürlich könnte ich jetzt noch eine A4 Seite über diesen Lauf und die fliegende Brujita Calamity schreiben, erspare euch das aber mit dem Hinweis, dass das mein erster Laufsieg mit 17 Knoten Wind im Finn war, gut, segle ja erst 34 Jahre auf diesem Teil.  Fräne wurde Zweiter und war der Meinung, unser Trainingstrip an die Masters habe sich absolut gelohnt. Und nun als Einschub – wenn ihr auch wieder mal so auf dem Vorwind runterpreschen wollt wie der Fräne und ich – dann müsst ihr halt unbedingt an die Masters kommen und noch ein paar Segeltage vorher einlegen. (nächstes Jahr in Iraklitsa, nähe Kavala, zum gewohnten Termin nach Pfingsten).

Gut, nach diesem Werbespot kam dann wieder der Thunerseealltag. Der Start war gar nicht so schlecht, der Bürgi natürlich in Führung, der Beyeler war auch in der Nähe, schön anluven nach dem Vorwinder, auf den Kompass schauen, den ersten Abfaller nehmen und einen zweiten Rang nach Hause segeln. So gedacht und anders gekommen – irgendwie hatten die hinter mir einen Luver, der Veit war vorne und ich öppe noch sechster. Einen konnte ich noch korrigieren, dann kam noch so ein Star von hinten und machte auf Abdeckung und schon war die hart erarbeitete Innenposition gegen Fräne futsch und der Dominik fuhr auch noch durch. Zum Starenproblem komme ich noch – niemand hat gesagt, ich soll einen kurzen Bericht schreiben.

Vierter Lauf, sehr motivierter Start, allerdings deckte Michu das Feld ab uns so flog nur er raus. Vorne war es erneut eng. Hinten lichtete sich das Feld, Hans hat im zweiten Lauf gefunden, das sei nun wirklich ein bisschen viel Wind für einen Legends, nun kam auch Carlo zum selben Schluss und schickte sich nach Hause. Hingegen der erstmals eine Finnregatta segelnde Stefan Speiser (bekannt als «Speisi» und WFL von der SM) prügelte den Finn vom Peschi Kilchenmann mit seinen 56 Kilo durch die Wellen – Hut ab! Warum ich nicht noch mehr über die vorne schreibe? Wenn man kurz vor dem Ziel noch vor dem nachmaligen Sieger durchfährt und dann Zweiter wird, muss ich das ja nicht noch schreiben. Und der Bürgi (der mit einem dritten Rang seinen Streicher gefahren hat!) mit einem gebrüllten «da bisch jitz aber säuber tschud, da muess doch eifach decke!!!!!» noch das Messer in der Wunde drehte. Weiss ich eigentlich selber, aber ich decke nie – ich fahre immer nach vorne, hasse doch dieses Wadenbeisser-Segeln…..

Gut – jedenfalls hatten wir vier Superläufe mit 10 bis 17 Knoten und dann noch Freibier, von meiner Göttergattin und anderen guten Feen vom AFG kredenzt, so macht Segeln und das Leben schon noch Freude.

Am Sonntag bekam dann der Fräne mit seiner Prognose doch noch fast äs bitzeli recht. Zwar gings mit Unterwind auf den See, dieser stellte ab und es kam ein schwacher Ober auf. Jan Schwitter machte einen Lauf und der kam gar nicht so schlecht. Er war zwar für uns ultra kurz, wir hatten aber immer Druck im Segel. Ein guter Start im Lee erlaubte mir, mit der Spitze Fühlung zu halten und die Spitze hiess Fräne Bürgi. Bei wenig Wind eigentlich kein Problem, aber anstatt sich von mir überholen zu lassen, liess ich noch den Dominik Wälchli durch. Somit segelte der einen zweiten Rang, ich dritter und David Veit – nein, eben nicht, der wurde tatsächlich «nur» fünfter. Speisi hat bei diesem Leichtwind alle Register gezogen und schlug David um mindestens 20 Centimeter – was David auf den Schreiberposten brachte. Wenn es nicht noch einen Lauf gegeben hätte….

Der letzte Lauf war auch so was von Leichtwind, aber eigentlich auch noch ok. Michu war als erster oben, ich zweiter. Im Ziel, das ohne Abkürzung und blaue Flagge, aber doch mit einer schreibenden Mannschaft an der zweiten Boje, war der Michu dann achter und ich vierter, das gäbe dann eine weitere A4 Seite, die ich euch erspare und die Kurzfassung bringe: Auf dem Vorwind waren wir fast alle auf einer Linie, Fräne ganz rechts und war sich sicher, dass er ein bisschen luven und dann alle einsacken könne. Ich links, Innenposition und somit erster, klarer Fall. Dann kamen da noch ein paar Starboote von hinten. Dies deshalb, weil Jan mit zwei Luvbojen operierte, eine für die Starboote, eine für die Dinghis. Starboote sind nun mal für uns Finnen so schwimmende Windabdeckungen, dazu kommt, dass nicht alle Steuerleute von diesen Windabdeckungen das orange Büchlein kennen und – wenn sie es kennen sollten – korrekt anwenden. Zum Beispiel gilt Artikel 12 offenbar nicht, da fährt einfach ein Rudel Stare von hinten in das arme Finnfeld und verlangt Raum, bevor sie überlappen, wenn wir nicht so wahnsinnig nette Typen wären, hätten wir mit unseren Regelkenntnissen die halbe Starflotte eliminiert. (Allerdings ist die Hälfte von sieben auch nur 3,5..). So kam es an der Leetonne zu einem Neustart unter erschwerten Bedingungen. David und Nick setzten konsequent auf die Oberhofner Seite, das brachte ihnen die ersten zwei Plätze ein. Fräne fuhr in der Mitte wie ein sturmes Bienchen hin und her und holte sich einen weiteren Streicher, bei ihm heisst das Platz drei. Ich konnte einen vierten vor Dominik retten, muss aber zugeben, wenn die Ziellinie korrekt gewesen wäre – dann wäre es seeeehr knapp geworden, aber es ist gut, wie es ist. Da wir eigentlich noch gar nicht wussten, dass die Regatta fertig war, lieferten wir uns noch einen heissen Vorwinder. David und Nick blieben aber vorne, das hätte nichts geändert.

Das Familienduell von Wälchlis, Dominik hatte ja im ersten Lauf einen 2. Rang vorgelegt. Nils hielt im zweiten Lauf mit seinem zweiten entgegen. Vater Wälchi startete wie ein junger Muni und das heisst OCS, somit ging der Sieg im Familienduell klar an Nick. Dies ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass der Sohn erst 14jährig und der Vater Führender der aktuellen PM-Rangliste, sprich Wilke-Cup, ist!

Liebe Freunde, danke, dass Ihr bis zum Schluss durchgehalten habt, das war der Bericht der Segelwoche mit vier Superläufen, zwei Schleicher, aber insgesamt sechs Läufe bei Wind und Sonne. Der Zweite wurde Fräne und er hat mir ans Herz gelegt, dass ich erwähnen soll, dass der Richtige gewonnen hat. Das ist so, nach einem Materialschaden zurück zu kommen und einen Fräne und Buume in Bestform zu schlagen, da ist man einfach der richtige Sieger, das braucht gutes taktisches Vermögen und eine sehr gute Bootsgeschwindigkeit und das dürfen und müssen wir, natürlich schon nicht ganz neidlos, voller Respekt anerkennen – Gratuliere David!

Einmal mehr bitte ich um Verständnis für den langen Bericht und versichere euch, dass ich nun schreibertechnisch in die Sommer- und Winterpause gehe.

SUI 57 – wieder mal auf dem geliebten dritten Rang

Schlussrangliste

Bilder von Perrens

2. Franz Bürgi / 1. David Veit / 3. Ruedi Baumann / vorne Davids Nachwuchs


Kategorien:Regatta Berichte

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