Finnmania, Biel, 17./18.9.2022

Am Samstag einen Lauf bei sehr drehendem und am Sonntag zwei Läufe bei leichtem Wind. Gute und pragmatische Organisation auf dem Wasser, engagiertes Team im Clubhaus. Philippe Mauron steigerte sich vom fünften zum dritten, gewann den letzten Lauf und den Wanderpreis vor dem regelmässig segelnden und punktegleichen Patrick Weihs. Diesem gelang ein Supereinstieg in die Finnklasse. (Ende des Presseberichts)

Das wäre der eigentlich alles sagende Bericht von der FinnMania 2022, wenn da nicht SUI 57 dritter und somit Schreiber geworden wäre und natürlich die Gelegenheit wahrnimmt, den lieben Finnsegler ihre wertvolle Zeit übermässig zu beanspruchen und von seinen und im kleinen Rahmen auch von den Heldentaten der Mitsegler zu berichten.

Beim Skippermeeting sah es eigentlich noch gut aus. Der Wettfahrtleiter sprach von vier Läufen und um 13.00 Uhr wolle er loslassen. So stürzte ich mich in den Neoprem, beim Überziehen des Spraytop kam Jiri und sagte, lasse es, Sportsocken ist gesetzt. Das gab uns Gelegenheit, die unter Finnseglern hohe Kommunikationskultur weiter zu kultivieren und eigentlich glaubte niemand mehr an eine Regatta. Appi fragte mich anlässlich der Diskussion, wie wir nun die Rangliste ausdiskutieren könnten, ob ich mit einem dritten Rang zufrieden wäre. Und ich sagte doch tatsächlich ja – da habt Ihr nun die Bescherung. Aber wie der Appi das fertig gebracht hat, dass es mich auf den dritten verschlägt, das wird wohl ewig sein Geheimnis bleiben. Immerhin hatte ich tatsächlich schon mal die Ehre, in Biel einen Regattabericht zu schreiben (Finn Nr. 49, Seite 18 😊 ). Das weiss ich so genau, weil ich einem potentiellen Teilnehmer der FinnMania im Vorfeld der Regatta erklärte, dass alle seine Einwände gegen eine Teilnahme nur Vorwände seien und er soll eben mal genau diesen Bericht lesen. (Er kam trotzdem nicht……)

Unsere hochstehenden Diskussionen wurden durch den Wettfahrtleiter beendet. Beim ersten von mehreren Startversuchen probierte ich es beim Startschiff. Dort wurde es sehr eng, eine Hammerböe, drehend, liess mich gefühlte 20 Sekunden später bei der Leetonne eine Q-Wende fahren, das Feld war verhuddelt und der Wettfahrtleiter nahm die erstbeste Flagge und plädierte auf allgemeiner Frühstart. So ging es weiter, der Wind drehte eigentlich nicht stark, er wechselte einfach zwischendurch die Richtung um 180 Grad. Es kam vor, dass sich zwei auf dem Vorwind segelnde Boote kreuzten und das im Abstand von unter 50 Metern. Zusammengefasst – da ist keine Regatta möglich. Bei einem weiteren Startabbruch fuhr ich mit Bruno Schwab auf einem Bug zur Luvboje hoch, jedenfallls fast auf einem Bug, eine 90 Grad Dreher zwang mich dann doch noch zu einer Wende. Beim Zurückfahren stellten wir fest, dass der Wettfahrtleiter entweder die Geduld, die Nerven oder beides verloren hat und noch einmal einen Startversuch machte – einfach ohne uns zwei. Das gab uns aber die Gelegenheit, so ein Feld aus einem anderen Blickwinkel zu beobachten. Alle segelten relativ geschlossen auf dem Backbordbug, SUI 65 verholte sich ins Luv. Mit über einer Minute Rückstand und diesen Beobachtungen machten sich somit Bruno und ich auf die Verfolgung des Feldes, wohl wissend, dass es nur ein spannendes Duell um die Laterne geben wird.

Der Backborder war der Streckbug, also konzentrierte ich mich auf das Laternenduell und segelte diesen. Bruno strebte nach Höherem und fand das weiter oben in einem Windloch. Durch ein ständiges Rechtsdrehen tauchten plötzlich ein paar Mitbewerber im Fenster und somit auch Hoffnung auf. SUI 79 glaubte ich schon sicher im Sack, irren ist menschlich und ein Rückdreher brachte ihn und den Rest des Feldes wieder deutlich vor mich – aber der Rückstand war doch ein bisschen geschrumpft. Somit auf dem Vorwind weiter verkürzen und auf der zweiten Kreuz machte ich auf Fuchs (da www.fuchsmilch.ch dank dem vorher erwähnten Windloch definitiv zurückgefallen war) und jagte den Haas. Dieser setzte konsequent auf den Streckbug, da ein paar vor uns das von Bruno gefundene Windloch ebenfalls ansteuerten, erwies sich das als die bessere Strategie. Sie brachte mich nicht nur näher ans Feld, sondern ich konnte mich schon vor einem weiteren Windlochfinder einordnen. An der Luvboje peterlete es für mich, Peter Theurer vor mir, Peter Scheidegger hinter mir und überplatt bei vier Windstarken donnerten wir Richtung Ausleger. Halsen, kurz gleiten und schon waren wir an Hans Fatzer und Thomas Gautschi vorbei, die sich gerade aus einem weiteren Windlöchlein befreiten. Damit sie nicht noch in Versuchung gerieten, uns diesen so wohl verdienten Erfolg streitig zu machen, segelten wir den Vorwind ohne Mätzchen runter, nach der Leetonne erinnerte ich mich daran, wie mich der Pisli mal mit einem Leedurchbruch noch geschlagen hat, er erwischte eine Welle nicht richtig und im Ziel war ich mit 29 Zentimeter vorne (es waren sicher nicht 30…).

Warum eine so ausführliche Beschreibung dieses speziellen Laufes? Da hätte nicht nur ein Satz, da hätte ja auch ein Wort gereicht, um ihn zu beschreiben. Aber diese Ausführungen sollen zeigen, dass auch bei unmöglichen Verhältnissen der Regattasport gute Unterhaltung bieten kann. Nicht zu vergessen, dass es trotz allem nicht nur Glück brauchte, den Holer, der Thomas Bangerter kurz nach dem Start machte, brachten ihm die Führung, diese baute er auf dem Vorwinder aus und auf der zweiten Kreuz ging er mehr durch die Mitte, was ihm einen ganz souveränen Laufsieg vor Dani Müller einbrachte.

Am Abend gab sich das Clubhausteam alle Mühe, uns mit Chili con Carne zu verwöhnen. Natürlich waren wir froh, dass jeder einen Sitzplatz hatte, aber so als Geheimtipp für die nächsten FinnManias – es hätte schon noch Platz gehabt.

Sonntag, 10.00 Uhr zur Verfügung Wettfahrtleitung. Warten bei Kaffee und um 12.00 Uhr gab es sogar noch Pasta – Biel ist auch ohne Wind ein gute Sache. Doch um 13.00 Uhr wollte es der Wettfahrtleiter mit 4,5 Knoten, «das sind bei der Messungenauigkeit des Windmessers sicher fünf» noch einmal probieren. Eine sehr lange Startlinie gab jedem genug Platz zum Starten und so ging es zu einem absoluten kurzen Sprintläuflein. Die zu spät gestarteten Herren vom Vortag gingen relativ schnell in Führung und der wohl kürzeste Lauf in der Geschichte des Wilkecups wurde eine Beute des früheren Sprinters SUI 57 (100 Meter Zeit vor 50 Jahren unter 12 Sekunden) vor Bruno Schwab. Der Lauf war so kurz, weil er auf eine Runde abgekürzt wurde, die zwei Führenden haben dies gemerkt und auch ohne Lesen der SI begriffen. SUI 27 griff auf dem Vorwind von hinten an, ihm gelang ein vorbildliches Bojenmanöver, Grossschot dicht und ab auf die zweite Kreuz – immerhin wird dieses gelungene Manöver ihn sicher ein wenig über den letzten Platz hinweg trösten, aber auch zum Lesen der SI motivieren.

Es wurde mit ein wenig mehr Wind zu einem weiteren Lauf gestartet. Philippe Mauron setzte sich klar ab, der Rest des Feldes folgte geschlossen und auf dem Vorwinder konnten sich noch etliche Chancen auf einen der vorderen Ränge ausrechnen. Patrick Weihs hat sein Boot aber sehr gut eingestellt, sein für Finnsegler eher geringes Gewicht liess ihn dem Feld enteilen. Das geringe Gewicht half auch SUI 57 und natürlich ist die Innenposition bei so einer Ausgangslage auch nicht gerade ein Nachteil. Somit konnte er sich als erster auf die erfolglose Verfolgung von Patrick machen, der den zweiten Platz im Lauf und im gesamten nach Hause brachte. Bemerkenswert, die Einlaufliste im letzten Lauf entsprach bei den ersten vier Plätze auch gerade dem Gesamtklassement.

Die letzte Hürde war noch, mit den Trailer die Steigung vom Rasen auf die Strasse zu nehmen, dank Finnkollegialität und dem Panda von Beni kein Problem.

Eine schöne Regatta am schönen, Samstag einfach trümligen Bielersee. Herzlichen Dank dem Bieler Yachtclub und der Finnflotte Bieler- und Neuenburgersee. Ich komme gerne wieder und hoffe, dass es nicht wieder 15 Jahre dauert, bis ich da einen Bericht schreiben darf.

Der dritte von Biel … Rüedu Baumann, SUI-57

2. Patrick Weihs / 1. Philippe Mauron / 3. Ruedi Baumann

Schlussrangliste

Videos von Jiri Huracek:
Video 1
Video 2
Video 3
Video 4
Video 5



Kategorien:Allgemein

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