Finn Trimtips von Ben Ainslie

Wirkungsvolle Nutzung des Finnriggs und Abstimmung von Segel und Mast

von IAN AINSLIE

Übersetzung aus FINN FARE October 1997 (leicht gekürzt)

Grundsätzliches

Das heutige Finn ist so anpassungsfähig, daß es innerhalb einer großen Bandbreite unterschiedlicher Körpergewichte und der verschiedensten Segelstile schnell gesegelt werden kann, und zwar unter allen möglichen Bedingungen. Man muß dazu nur einige einfache Prinzipien verstehen und die Auswirkungen der verschiedenen Bedienelemente für das Segel ausloten.

Bedienelemente

Schot:

Damit wird man meist bei leichten bis mäßigen Bedingungen arbeiten. Beim Dichtholen biegt der Mast und beeinflußt die Profiltiefe und die Achterlieksspannung des Segels. In der Regel zieht man den Baum bis aufs Deck, sobald man vollkommen „überpowered” ist.

Traveller:

Als genereller Anhaltspunkt für die Positionierung kann gelten, daß die Baumnock über der Scheuerleiste steht. Sobald man zuviel Druck bekommt, wird der Traveller weiter getiert. Ich persönlich tendiere dazu, ihn häufiger zu verstellen als andere. Bei starkem Wind und hoher Welle verstelle ich ihn andauernd. Die meisten Segler benützen ihn eher statisch und lassen damit zu, daß der Mast den Druck im Boot dauernd verändert.

Inhaul:

Wenn man es fiert, wird die Vorderkante des Segels im unteren Bereich abgeflacht (vor allem dann, wenn man gleichzeitig das Outhaul anzieht). Zudem macht der untere Teil des Achterlieks zu. Dies ist eine Voraussetzung, um Höhe zu laufen. Beim Dichtholen des Inhauls hingegen wird Kraft aus dem Segel genommen, vor allem deshalb, weil der untere Teil des Achterlieks sich öffnet (man kann sehen, wie der Anstellwinkel der unteren Latten sich ändert). Die genaue Position des Segelhalses hängt davon ab, wie weit der Segelmacher den Segelhals zurückgeschnitten hat.

Cunningham:

Dichtholen bedeutet Kraft aus dem Segel nehmen, in dem Tuch aus der Segelmitte nach vorn gezogen wird und dadurch das Achterliek sich öffnet. Da die Profilsehne im Top am kürzesten ist, tritt dort auch der größte Effekt ein. Das Cunningham ist dann besonders wichtig, wenn man viel zwischen Höhefahren und Geschwindigkeitssegeln wechselt. Sobald man unter Höhenverlust schnell fahren will, holt man das Cunningham dicht. Man nimmt damit Ruderdruck fort, läßt das Achterliek twisten und kann tiefer, aber weit schneller fahren.

Outhaul:

Damit stellt man die Tiefe des Segelprofils speziell im unteren Drittel ein.

Baumniederholen:

An der Kreuz wird er sehr selten eingesetzt. Ab und zu benutze ich ihn, um den Mast bei leichtem Wind und Kabbelwasser zu biegen. Damit kann ich die Schot fieren, ohne das Segel zu bauchig werden zu lassen. Bei räumlichen Kursen ziehe ich den Niederholer gerade so weit an, daß ich genügend Spannung im Achterliek habe, ohne den Mast durchzubiegen – bei Leichtwind etwas weniger, bei Starkwind etwas mehr. Bei einem spitzen Anlieger muß man den Niederholer lösen, um Kraft aus dem Segel zu nehmen und zu vermeiden, daß der Baum ins Wasser eintaucht.

Segelanpassung

Vorliekskurve:

Wenn man erst einmal den Einfluß der Bedienelemente verstanden hat, wird man durch Vergleichen mit anderen Rioos und die Kenntnis des eigenen bald ein Auge dafür haben, ob die Segel-Mast-Kombination stimmt, indem man einen kurzen Schlag segelt. Zu wenig Vorliekskurve an einer bestimmte Rille zeigt sich daran, daß sich Falten von dieser Stelle Richtung Baumnock ziehen. Zuviel Kurve ist schwerer ausfindig zu machen, aber viel bedenklicher, besonders in der unteren Hälfte. Zuviel Tuch vorne erschwert das Öffnen des Achterlieks, so daß man bei Wind zu viel Druck bekommt; bei mäßigem Wind ist die starke Rundung vorn ungünstig für die Höhe.

Am besten prüft man das Zusammenpassen von Mast und Segel mittels Bootstausch bei 3-4 Windstärken. Man schaut sich das eigene Boot von Lee achtern aus an und zwar so, daß man gerade die Leeseite der Segelnut noch sehen kann. An den Stellen, wo sich zuviel Tuch befindet, wird die Nut vom Segel verdeckt.

Charakteristika der Mastbiegung:

Es gibt so viele Theorien über Masten wie Finnsegler. Ich denke, man sollte das Wesentliche begreifen und das Technische nicht überbetonen. Wenn man allein die beträchtlichen Geschwindigkeitsunterschiede bei den Lasern betrachtet, dann erkennt man, daß die segeltechnischen Fertigkeiten den größten Einfluß auf die Geschwindigkeit haben.

Seitliche Biegung:

Die seitliche Biegung beeinflußt den Twist im Segel und den Druck im Rigg. Ein weicher Mast läßt das Boot bei Wind leicht und locker aufkreuzen, dafür aber mit wenig Höhe, und wenn der Wind nachläßt, wird man zu wenig Segeldruck haben. Merke: je härter man ausreitet, um so größer ist die seitliche Kraft, welche auf das Rigg wirkt, und umso mehr biegt der Mast weg. Daher überzeuge man sich, ob man sieht ob man ausreichend hängt, ehe man sich einredet, es sei zu viel Druck im Rigg. In Bezug auf die seitliche Biegekurve ziehe ich Masten vor, die unten ziemlich gerade stehen und erst oberhalb der Mitte seitlich weggehen, und zwar progressiv zum Top hin. Die Biegung soll gleichmäßig sein (ohne Knick), wobei die Mastspitze in Böen und in der Welle stark arbeitet.

Achterliche Biegung:

Karbonmasten haben, verglichen mit Alumasten, eine gleichmäßigere Kurve. Allgemein gibt es Masten mit weichen Enden und solche, die mehr in der Mitte biegen. Erstere sind bequemer zu segeln und bei Leichtwind überlegen, weil sie eine leichtere Öffnung des Achterlieks bewirken. Letztere lassen eine bessere Kontrolle der Achterlieksspannung bei mehr Wind zu und sind in Kombination mit einem flachen Segel bei solchen Verhältnissen schneller an der Kreuz. Allerdings wird man sie in der Regel mit mehr Fall fahren und daher bei räumlichen Winden langsamer sein.

Mastfall:

In der Stellung „Baum an Deck” beeinflußt eine Änderung des Mastfalls die Achterlieksspannung. Steht der Mast zu senkrecht, erzeugt er zu viel Achterlieksspannung; das Boot segelt in Böen und Kabbelwelle sehr unausgeglichen. Mit zu wenig Achterlieksspannung kann man hingegen keine Höhe laufen. Das richtige Maß variiert von Rigg zu Rigg, aber um die 6,80 m zwischen oberer Meßmarke und Spiegel ist man im „grünen Bereich”. Mit Klaus Weixelbaumers Hall Spar lag ich bei 6,86 m bei Wind, weil er unten recht weich war, während mein derzeitiger Mast unter Deck sehr steif ist und mit maximal 6,80 m bei Wind und 6,76m bei Leichtwind gefahren werden muß. An meinem Boot habe ich eine Mastverstellung am Deck, bei der ich lediglich 2 Positionen nutze: schräg für Leichtwind, aufrecht für Mittel- und Starkwind, und wiederum schräg für Kuhsturm.

Übersetzung von Walter Mai

Ian Ainslie war Südafrikas Finnvertreter bei den olympischen Segelwettbewerben 1992 und 1996.