Trimmtips von North Sails

Seit nunmehr mehr als 10 Jahren werden mit North-Segeln in der Dinghy-Klasse überragende Segelergebnisse erzielt. Die Anzahl der Regattasiege mit North-Segeln ist nicht mehr zu bestimmen.

Neben der ausgefeilten Schablone, die bei uns sorgfältig gepflegt wird, ist die Auswahl des Tuches für diese Schablone von ausschlaggebender Bedeutung für den Erfolg dieses Segels. Die Dehnungscharakteristik des Tuches ist neben dem Design von großem Einfluß bei der Herstellung eines guten Finnsegels. Wir setzen daher unsere hauseigene Tuchtestmaschine bei der Auswahl der geeigneten Finn-Dinghy-Tuche stärker ein als bei jeder anderen Klasse.

Unsere vielen Erfolge geben unseren Bemühungen in dieser Klasse recht. Unser Finn Segel hat eine extrem große Fußlieksrundung. Auf der anderen Seite ist diesem Teil des Segels sehr wenig Profil in die Nähte hereingeschnitten. Das bedeutet, daß Sie das Segel durch Auffieren des Unterliekstreckers extrem voll, aber auch durch Anziehen des Unterlieks extrem flach trimmen können. Gleichzeitig hat das Segel eine sehr große Vorliekskurve. Dieses bedeutet, daß mit dem Gebrauch des Cunninghams im leichten Wind vorsichtig umgegangen werden muß. Im gleichen Maße hat das Cunningham dadurch auch eine sehr große Beeinflußungsmöglichkeit auf das Segelprofil.

Anschlag des Segels

Um einen optimalen Stand unserer Segel zu gewährleisten, sollten Sie folgende bauliche Einrichtungen in Ihrem Finn-Dinghy haben:

Das Unterliek sollten Sie streckbar nach vorne und hinten einrichten. Einlaufendes Einstellen in diesen Einrichtungen ist unbedingt notwendig, um ein stets einwandfreies Segelprofil zu haben.
Auch die Position der Travellerschiene in Ihrem Boot sollte von Ihnen noch einmal überprüft werden. Denken Sie daran, daß je weiter die Travellerschiene nach vorne kommt, die Baumnock ebenfalls desto weiter bei voll ausgefiedertem Traveller – nach Lee ausfierbar ist. Gerade bei Wind kann sich ein weit ausfierbarer Baum sehr entscheidend auf die Geschwindigkeit auswirken

Trimm des Segels

Die verschiedenen Trimmöglichkeiten haben einen enormen Einfluß auf das Finn-Segel. Im folgenden werden die einzelnen Wirkungen erläutert:
Über die Großschot wird im Finn-Dinghy auf dem Kreuzkurs der Achterlieksdruck eingestellt. Gleichzeitig wird damit die Profiltiefe des Segels über den flexiblen Mast bestimmt. Ebenfalls wird die Profiltiefe und der Achterlieksdruck durch den Baumniederholer auf Raum- und Vorwindkursen beeinflußt. Bei leichtem Wind ist die Einstellung des Baumniederholers auch am Wind wichtig.
Es ist allgemein bekannt, daß das Cunningham den Bauch des Segels nach vorne zieht, wenn es angezogen wird. Weniger bekannt ist, daß dadurch dieVorwärtsbewegung des Profils das Achterliek gerade und offener wird. Bei Benutzung des Cunningham kann das Achterliek um ein beträchtliches mehr geöffnet werden.
Die Position des Unterliekstreckers hinten ist durch die schon erwähnte starke Unterlieksrundung der entscheidende Faktor für die Segelprofiltiefe, die Sie einstellen wollen.
Der Segelhalsstrecker sollte bei fast allen Bedingungen den Segelhals dicht am Mast halten. Ist das Cunningham gefiert, so befindet sich das Halsauge ca. 8 cm über der Großbaumnut. Nur das Cunningham sollte das Vorliek des Segels strecken. Der Segelhalsstrecker muß so angebracht sein, daß er nur das Unterliek vorne hält. Am besten ist hierfür eine Umlenkrolle, direkt am Mast über dem Großbaum. Von da aus wird der Strecker durch das Segelhalsauge geführt und dann waagrecht zum Mast geleitet. Er wird dort mit einer Schlinge um den Mast befestigt: Auf diese Weise kann der Segelhalsstrecker mit zunehmend durchgesetztem Cunningham nach unten rutschen bzw. beim Auffieren des Cunninghams nach oben. Wenn der Segelhalsstrecker am Mast gefahren wird, kan der Unterliekstrecker das Unterliek sehr hart spannen und dadurch das untere Drittel sehr flach trimmen. Die untersteLatte wird dadurch sehr offen.

Welcher Trimm für welche Wetterbedingungen:

Flaches Wasser, leichter Wind

Sitzen Sie unten im Boot, sollten Sie an der Kreuz den Baumniederholer einsetzen, um ein optimales Profil zu stellen. Der Traveller wird in der Mitte fixiert. Die Schot reguliert nun den Anstellwinkel des Segelprofils, nicht aber die Achterliekspannung. Auf diese Weise können Sie den Windschnitt vorteilhaft flach trimmen, ohne die bei leichtem Wind schädliche Achterliekspannung zu erhöhen. Das Cunningham ist dabei gefiert. Der Segelhalsstrecker hält das Auge 2 cm hinter dem Mast. Der Unterliekstrecker befindet sich ca. 7 cm vor der Meßmarke. Nimmt jetzt der Wind leicht zu und Sie sitzen schon auf dem Seitendeck, übernimmt wieder die Schot die Einstellung des Achterliekdrucks. Den Traveller sollten Sie so einstellen, daß die Baumnock gerade senkrecht über der Schauerleiste liegt. Nie jedoch sollte der Travellerweiter nach innen gefahrenwerden als diese Einstellung.
Haben Sie jedoch bei der gleichen Windlage mit Wellengang zu rechnen, muß der Trimm entsprechend verändert werden. Jetzt brauchen wir nicht mehr die flache Anschnittkante, um Höhe zu fahren, sondern Sie benötigen ein volleres Segel, um genügend Druck zu bekommen gegen die Wellen anfahren zu können. Das Cunningham wird dabei weiterhin lose gefahren, auch der Segelhalsstrecker wird nicht angezogen. Der Unterliekstrecker wird bis auf 5 bis 9 cm vor der Meßmarke gefiert.

Flaches Wasser, mittlerer Wind

Bei diesen Bedingungen wird das Unterliek bis auf die Meßmarke ausgestreckt. Der Traveller wird bis auf ca. 15 bis 20 cm an das Seitendeck herangefiert; der Baum wird etwa 10 cm über Deck geschotet. Das Cunningham wird jetzt leicht angezogen, so daß die kleinen Falten am Vorliek verschwinden. Der Segelhalsstrecker bleibt unverändert.
Der Unterschied zum Trimm für mittleren Wind mit Wellengang ist auch hier wieder die Einstellung des Unterlieks. Das Unterliek wird bei Welle 10 bis 12 cm von der Meßmarke weggefiert und der Traveller wird ganz in Lee gefahren. Der Schotdruck sollte bei dieser Einstellung etwas vermindert werden, d.h. der Baum befindet sich ca. 15 cm über Deck.

Trimm bei hartem Wind

Wenn Sie Ihr Boot nicht mehr halten können, sollten Sie unbedingt Ihren Traveller maximal in Lee fahren. Der Baum wird 1 bis 2 cm über Deck geschotet. Um ein zu starkes Wandern des Segelbauches nach hinten, und damit ein Schließen zu vermeiden, ziehen Sie das Cunningham stark an.
Sollten Sie weiterhin Schwierigkeiten haben Ihr Boot aufrecht zu segeln, benutzen Sie weiterhin das Cunningham und ziehen es mit aller Kraft an. Damit wird insbesondere der obere Teil des Segels geöffnet. Das Unterliek sollte bei diesen Windlagen maximal ausgestreckt auf die Marke gefahren werden. Auch der Segelhalsstrecker kommt jetzt zum Einsatz. Es wird maximal bis an den Mast heran ausgezogen. Damit öffnet sich auch schon die unterste Segellatte und steht fast parallel zum Baum. Damit zeigt sich an, daß Ihr Segel schon hier relativ offen steht und logischerweise auch besser zu halten ist. Gerade bei Schlechtwetter ist jedoch auch ein Spiel mit dem Schotdruck notwendig. Hier erweist sich deutlich, ob Sie einen perfekt eingestellten Mastfall haben. Oft bewirkt ein leichtes Fieren der Großschot um 1 bis 2 cm einen erheblichen Geschwindigkeitszuwachs.

Raum- und Vorwindtrimmen

Für den Vorwindkurs haben Erfahrungswerte ergeben, daß bei leichten bis mittleren Winden richtig ist, die Flosse des Schwertes nur noch 10 cm ins Wasser ragen zu lassen, so daß Ihr Boot die Führung gerade noch beibehält. Bei stürmischen Winden – je nach Welle – ist ein etwas tiefer gefahrenes Schwert von Vorteil, da es dasGeigen nach Luv und Lee etwas verhindert. Auf Raumschotkursen sollten Sie das Schwert genau so hoch ziehen wie auf Vorwindkursen. Denn hier wird eine größere Geschwindigkeit gefahren, wodurch das Boot weniger Abdrift hat.
Je nach Wind sollten Sie auf Raum- und Vorwindkursen den Baumniederholer so einstellen, daß das Top des Segels gerade noch ein bißchen ausweht. Dieses Auswehen sollte allerdings nicht übertrieben werden, da dann die Vortriebskraft verloren geht und sichdie Kentergefahr drastisch erhöht.
Auf spitzen Raumschotkursen sollten Sie bei leichtem Wind das Schwert etwa halb hoch ziehen und den Baumniederholer leicht anziehen. Nimmt der Wind jedoch zu, haben Sie Schwierigkeiten das Boot aufrecht zu segeln, sollten Sie das Schwert noch weiter hoch ziehen und den Baumniederholer möglichst stark anziehen, um das Segel flach und offen zu trimmen. Gerade der Gebrauch des Schwertes ist bei Viertelwindkursen von entscheidender Bedeutung. Ziehen Sie das Schwert lieber etwas höher und driften Sie seitlich ab, wenn Sie meinen Ihr Schiff nicht mehr halten zu können. Genügt das Schwert als Trimmeinrichtung nicht mehr, sollten Sie auf jeden Fall auch den Unterliekstrecker maximal anziehen. Unter extremen Bedingungen bewährt es sich auch das Cunningham noch zusätzlich anzuziehen, um das Segel im Topbereich zu öffnen. Bei böigem Wind und Wellengang ist zudem auch das starke Öffnen des Baumniederholers die letzte Möglichkeit.

Was sollten Windbändsel im Segel

Mit Windbändsel können Sie anliegende turbulente Windströmungen am Segel sichtbar machen. Bei Ihren Finn-Segeln sollten Sie auf jeder Seite zwei Stück anbringen und zwar in Höhe der zweiten Bahn, ungefähr 40 cm vom Vorliek entfernt. Auf der Kreuz fahren Sie optimal an der Windkante, wenn beide Fäden – also Luv- und Leefaden -parallel waagrecht nach hinten zeigen. Bewegt sich der Luvfaden, segeln Sie zu hoch am Wind. Wirbelt jedoch der Leefaden ist entweder Ihr Segel zu dicht oder Sie sind für diese Einstellung zu weit abgefallen. Da die Leeströmung an einem Segel aerodynamisch die wichtigere und vortriebswirksamere ist, sollten Sie niemals die Leeströmung abreißen lassen, also die Leefaden turbulieren lassen. Ein leichtes Steigen des Luvfadens bei leichtem Wind und flachem Wasser kann dagegen vorteilhaft viel Höhe bringen.

Wir hoffen, daß wir Ihnen mit den vorstehenden Tips eine Basiseinstellung für schnelles Finn-Segeln geben konnten. Ein individuelles Abstimmen auf das Boot, die Härte des Mastes und das Gewicht des Seglers ist selbstverständlich notwendig.

Flaches Wasser:
Windstärke Meßmarke/Unterliek (cm) Mastnut/Segelhals (cm) Großbaum/Deck (cm)
1 7 2 30
2 5 2 12,5
3-4 0 1 0
4-6 0 0 0
Bei Wellen:
Windstärke Meßmarke/Unterliek (cm) Mastnut/Segelhals (cm) Großbaum/Deck (cm)
1 10 2 37,5
2 12,5 2 22,5
3-4 3 1 10
4-6 0 0 4

Finnsegel – Trimm (Firma NORTH SAILS)

Übersetzung aus dem Englischen

AM WIND

Beim Kreuzen sollte man nie vergessen, daß man hängen muß. Mit perfekt getrimmtem Segel nur dazusitzen und die Gegend zu betrachten führt zu langsamer Geschwindigkeit. Das Finn ist ein großes, schweres Boot mit jeder Menge Segelfläche, daher muß man jedes Gramm Körpergewicht nutzen, um das Boot am Laufen zuhalten. Ob in gebeugter oder gestreckter Körperhaltung, wichtig ist es, bequem (wenn das denn möglich ist) und stark zu hängen und sich immer zu sagen, es geht noch etwas härter.

Bei weniger als 5 Knoten Wind, wenn also Hängen nicht notwendig ist, werden Konzentration und Riggeinstellung entscheidend. Wir glauben, daß ein Fallenlassen des Mastes um 2 … 5 cm das Boot empfindlicher macht und den Baum näher an die waagerechte Stellung heranbringt. Man macht dies am besten durch Veränderung der Maststellung im Deck, wobei der Mastfuß nicht verändert wird. Bei Leichtwind sollte das Outhaul 7 … 8 cm vor der Meßmarke und das Inhaul 7 … 8 cm hinter der Mastachterkante gefahren werden. Der Traveller sollte so gefahren werden, daß die Baumnock sich 15 cm innerhalb der Scheuerleiste befindet. Die Schot ist so stark dichtzuholen, daß das obere Windbändsel (gemeint ist offensichtlich das Bändsel am Achterliek – d. Übers.) ca. 20 % der Zeit Strömungsabriß anzeigt.

Bei fast Totalflaute ist es fast unmöglich, die oberen Windfäden zum Fliegen zu bringen; man muß den Baumniederholer benutzen, um das Achterliek abzuflachen. Gleichzeitig ist das Outhaul ganz an die Meßmarke zu ziehen und der Traveller nahe der Mitte zu fahren. Man ziehe den Niederholer so weit an, daß das Segel im Top flach ist und die Windbändsel auswehen. Unter Umständen muß man beim Wenden den Niederholer lösen, wenn man nicht mehr unten durchkommt. Wichtig: am Wind benutzt man nur bei diesen Bedingungen den Baumniederholer! Baumhöhe und – position werden sonst ausschließlich durch Großschot und Traveller eingestellt, der angezogene Niederholer ist am Wind lebensgefährlich!

Mit steigender Windgeschwindigkeit gilt die Hauptsorge der Achterlieksspannung und der Travellerposition. Während man allmählich das Achterliek stärker belastet, indem man die Schot dichterholt, sollte der Traveller gefiert werden, bis zum dem Punkt, da der Baum das Deck berührt. In dieser Lage sollte die Baumnock 5 cm innerhalb der Scheuerleiste stehen. Das ist bei ca. 12 kn Wind der Fall. Das Inhaul wird vor dem Outhaul dichtgeholt. Dieses ist bei 12 kn maximal außen.

Bei über 6 kn Wind fahre man den Mast wieder in Standardposition von 6,78 m und bei mehr als 12 kn auf 6,81 m. Als leichterer Segler oder, wenn man mehr Fahrt haben will, fährt man den Mast etwas schräger.

RAUMSCHOTS/VORWIND

Man sollte versuchen, die Strecker schon vor Erreichen der Luvmarke einzustellen, so daß man sich gleich auf das Surfen auf der ersten Welle konzentrieren kann, anstatt an den Strippen zu nesteln. Das Cunningham ist zu lösen, das Inhaul ist 15 cm und das Outhaul 5 cm zu fieren, der Niederholer anzusetzen. Der Niederholer sollte so weit angezogen werden, daß die oberste Latte 2° … 3° mehr ausweht als der Baum. Das Schwert sollte vor dem Wind so weit aus dem Wasser geholt werden wie man sich eben getraut, am besten bis die Vorderkante mit dem Rumpfbogen bündig ist.

Die Großschot wird direkt vom Baum gefahren (1:1), bis man glaubt, aus dem Boot gezerrt zu werden und daher nicht mehr effektiv arbeitet. Dann schaltet man auf 2:1 um (Ende der Schot am Fußblock und durch den Baumblock zur Hand), das ist leichter und sicherer. Das Finn möchte mit etws Luvkrängung und tief gefahren werden, aber nicht nach Lee.

Übersetzung: Walter Mai